Tagung des Fachverbandes Homosexualität und Geschichte e.V.:
"Homosexualität – Affären und Skandale.
Geschichte(n) von Enthüllungen, Entrüstungen und Entgrenzungen"
Um die Homosexualität bekannter oder einflussreicher Persönlichkeiten haben sich bis in die jüngste Vergangenheit zahlreiche Skandale und Affären entzündet. Manchmal haben sie Geschichte geschrieben.Spektakuläre Enthüllungen haben Normbrüche offengelegt, für moralische Empörung gesorgt und zugleich allmählich die Normen des Sagbaren und die Grenzen der Entrüstung verändert.
Wir wollen auf der diesjährigen Jahrestagung Affären und Skandale vorstellen und den Skandalisierungen nachforschen. Was charakterisiert einen Skandal? Uns interessiert dabei allerdings weniger der moralische Normbruch selbst, der zur Enthüllung und Entrüstung führte. Wir wollen vielmehr danach fragen, was einen Skandal zum Skandal macht(e). Was waren die Umstände, die zu einer öffentlichen Affäre führten, und was waren die Motive und Befürchtungen derer, die eine Skandalisierung betrieben? Eine größere politische und mediale Öffentlichkeit scheint ein bedeutsames Kriterium, um einen Skandal etwa von einer Affäre zu unterscheiden.
Zudem interessieren uns die Verhaltensweisen der Menschen, deren Homosexualität bzw. homosexuelles Verhalten, auch vermeintliche homosexuelle Kontakte, denunziert wurden, ferner das weitere Schicksal der von den Medien Gehetzten. Welche Strategien der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung versuchten sie, um ihre Ehre zu retten bzw. wieder herzustellen? Welche Rolle spielten dabei politische Kontakte und Familienbindungen, Journalistenkontakte oder juristische Prozesse?
Gibt es typische Verläufe von Skandalen? Was sind Vorraussetzungen und Bedingungen einer erfolgreichen Skandalisierung, wie auch einer erfolgreichen Selbstbehauptung? Wie haben sich im Verlauf der Geschichte die öffentlichen Erregungspotentiale in den Medien, in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und auf der politischen Bühne verändert? Inwieweit haben die zahlreichen Affären, die als Normverletzung in den Medien eine Zeit lang für anhaltende Entrüstung sorgten, und die großen Skandale, welche die Gesellschaft erschütterten, sowohl zur Verfestigung von Stereotypen und Feindbildern, als auch zur Abnahme des Erregungspotentials, zur Verschiebung der Normen und zur Veränderung gesellschaftlicher Einstellungen geführt?
Die Frage danach, wann, in welchem gesellschaftlichen Milieu und wie lange Homosexualitäts-skandale möglich waren, bietet Aufschluss über die Verschiebung von Toleranzgrenzen sowie über bedeutsame geschichtliche Veränderungen in den Einstellungen zur Homosexualität in bestimmten sozialen Milieus. Auch darüber wollen wir ins Gespräch kommen. Warum gab es etwa im Arbeiter-milieu keinen öffentlichen Homosexualitätsskandal in Deutschland? Und warum waren es vor allem Männer, bei denen homosexuelles Verhalten skandaltauglich schien? Wann eigentlich wurde gleichgeschlechtliches Verhalten im deutschsprachigen Raum erstmals öffentlich skandalisiert?
Wir bitten um Vorschläge für Vorträge zu Geschichten über Affären und Untersuchungen zu Homosexualitätsskandalen.
Die Tagung wird von den Berliner Mitgliedern des Fachverbandes Jens Dobler, Michael Schön, Raimund Wolfert und Andreas Pretzel vorbereitet.
Abstracts für die Vorträge (max. 1 Seite) bitte bis 1. Mai 2010 an Andreas Pretzel:
andreaspretzel@arcor.de
Konferenz "Law and Society in the 21st Century: Transformations, Resistances, Futures"
Vom 25. bis zum 28. Juli 2007 findet die internationale und interdisziplinäre Konferenz "Law and Society in the 21st century: Transformations,Resistances, Futures" an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Die Konferenz, die in dieser Form nur alle 5 Jahre stattfindet, ist sowohl quantitativ (ca. 1500 Teilnehmende) als auch wissenschaftlich die weitem Abstand bedeutendste internationale Tagung auf ihrem Gebiet. Von der Konferenz gehen zahlreiche Impulse für die Forschungen zu Recht in allen Disziplinen aus.
Die Konferenz richtet sich an alle, die sich in Forschung, Lehre und
Praxis in disziplinenübergreifender Weise mit „Recht“ als
gesellschaftlichem Phänomen befassen. Die Veranstalter laden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zur (Sozial-)Geschichte
oder zur Kultursoziologie des Rechts forschen, herzlich ein, Ihr
Forschungen einem internationalen Publikum vorzustellen.
Veranstalter : Law and Society Association (LSA); Research Committee on Sociology of
Law (RCSL) der International Sociological Association (ISA); Deutsche
Vereinigung für Rechtssoziologie; Sektion Rechtssoziologie der Deutschen
Gesellschaft fürSoziologie (DGS); Britische Socio-Legal Studies
Association (SLSA); Japanische Vereinigung für Rechtssoziologie (JASL),
Berlin
Ort und Zeit : 25.07.2007-28.07.2007, Humboldt-Universität Berlin
Deadline: 12.01.2007
Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung erhalten Sie auf der
Webseite http://www.lsa-berlin.org
Männlichkeit und Emotion in der Moderne
Die Geschichte männlicher Gefühle ist für die Moderne bislang meist
negativ erzählt worden: als Disziplinierung, Unterdrückung oder
verhängnisvolle Entfesselung maskuliner Leidenschaften. Die Tagung soll
dieses gleichermaßen widersprüchliche wie einseitige Bild einer
defizitären oder pathologischen männlichen Emotionalität erweitern und
verändern, indem sie Emotionen als historisch wandelbaren, jedoch
ständig anwesenden Bestandteil von Männlichkeit fasst. Ausgehend von der
deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts wird die Beziehung von
Männlichkeit und Emotion in der Moderne auf drei Ebenen untersucht:
Erstens wird nach der diskursiven Beziehung von Männlichkeit und Emotion
gefragt: Welche Gefühle wurden der männlichen ‚Natur’ zugeschrieben oder
abgesprochen? Welche Rolle spielten Vorstellungen von Männlichkeit für
Deutungen und Theorien des Emotionalen? In welcher Beziehung stand
beispielsweise die ‚Polarisierung der Geschlechtscharaktere’, die sich
seit dem 18. Jahrhundert vollzog, zur Dichotomisierung von Rationalität
und Emotionalität?
Zweitens geht es – in historisch-anthropologischer Perspektive – um
Emotionen von Männern: Welche Gefühle waren für Männer sag- und zeigbar?
Inwiefern beeinflussten diese Regeln den Ausdruck und die Erfahrung
männlicher Emotionen? Wie schrieb sich der Umgang mit Gefühlen in
männliche Körpersprachen und Habitus ein? Welche Praktiken der Kontrolle
und Kultivierung von Gefühlen gab es? Wann wurden Emotionen zum Problem
männlicher Identität, dem durch gezielte Arbeit am Selbst zu begegnen
war?
Drittens sollen Emotionen als Kategorie der Analyse männlichen Handelns
erprobt werden, und zwar auch in Forschungsfeldern, in denen sie bislang
kaum thematisiert worden sind, wie in der Politik- und
Wirtschaftsgeschichte: Inwiefern trägt die Analyse der Beziehung von
Emotion zum Männlichkeit etwa zum besseren Verständnis eines Streiks,
eines Feldzugs, einer Revolution oder der Börse bei? Sind die
Entscheidungen ‚kleiner’ und ‚großer’ Männer besser zu erklären, wenn
man deren Emotionen berücksichtigt? Wie lassen sich diese erfassen und
beschreiben?
Der Call for Papers richtet sich nicht nur an Historiker/innen. Beiträge
aus anderen Disziplinen – von den Kultur- und Sozialwissenschaften über
die Psychologie bis hin zur Politik- und Wirtschaftswissenschaft – sind
ausdrücklich erwünscht. Um eine gewisse Vergleichbarkeit auf diachroner
und synchroner Ebene zu gewährleisten, sollten die Vorträge vornehmlich
auf die deutsche Geschichte konzentriert sein. Ausnahmen von dieser
Regel sind jedoch möglich.
Die Tagung wird vom 27. bis 29. September 2007 in Berlin stattfinden,
veranstaltet vom Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T) und unter
Leitung von Manuel Borutta (European University Institute Florenz) und
Nina Verheyen (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung).
Tagungssprache ist deutsch.
Wir würden uns sehr über Bewerbungen freuen, die neben einem Lebenslauf
eine kurze Zusammenfassung des geplanten Beitrags von einer Seite
enthalten. Nachwuchswissenschaftler/innen werden besonders zur Bewerbung
aufgefordert. Bitte senden Sie diese bis zum 15. Januar 2007 an eine der
unten aufgeführten Kontaktadressen. Für Referenten und Referentinnen
werden die Kosten der Tagungsteilnahme (Reise, Unterkunft und
Verpflegung) voraussichtlich übernommen. Auf der Tagung werden jeweils
zwei bis drei Beiträge gemeinsam in einer Sektion zur Diskussion
gestellt. Um ihre Kommentierung zu ermöglichen, sollen die Beiträge zwei
Wochen vor Tagungsbeginn schriftlich vorliegen.
Veranstalter: Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T)
Konzeption und Leitung: Manuel Borutta / Nina Verheyen, Berlin
27.09.2007-29.09.2007, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Wann: Berlin, 27.-29. September 2007
Deadline für Bewerbungen: 15. Januar 2007
Kontakt: Manuel Borutta, Dr. des.
European University Institute (EUI), Villa La Fonte, via delle
Fontanelle 20, I-50016 San Domenico di Fiesole (FI),
Nina Verheyen, M.A.
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Reichpietschufer
50, D-10785 Berlin, verheyen@wz-berlin.de
Homepage <http://www.geschichteundtheorie.de/index.html>
